Nur mal kurz so nebenbei. Wenn ich höre, dass im Iran Regimekritiker gerne mal auch den Staat gewaltvoll eingetrichtert bekommen, und in China Liu Xiaobo wegen einer Unterschrift unter die Charta 08 elf Jahre Haft bekommt, dann muß man sich als Politikkritiker in Deutschland ja nur vor dem Rauswurf als ZDF-Chefredakteur veranlasst durch den guten Demokraten Roland Koch fürchten. Und um wieviel subtiler ist es dann von Herrn Koch, nur einen unbequemen Journalisten abzusägen, als ihn öffentlich durch hessische Hinterwäldlerdemokraten durch eben diesen Hinterwald zu jagen und ihn dann dem abgestumpften – und viel zu satten – Stimmvieh zum Fraße vorzuwerfen. Aber die anderen sind ja sooo undemokratisch, Pfui!
Also bevor sich eine Fäustchen schüttelnde Angie über die vermeintlich so Pressefeindliche Politik anderer Regierungen aufregt und ihn ein massives und energisches “Buuuuh” entgegenschleudert, sollte sie sich doch mal den hessischen Schwarzgeldverstecker zur Brust nehmen und ihn in aller gebotenen Öffentlichkeit davon unterrichten, dass die Medien nicht dem Staat gehören (sollten). Aber warum vor der eigenen Türe kehren? Dann doch lieber wieder mit dem Finger auf die anderen zeigen und von den hiesigen Un-Demokraten ablenken. Mit einem deutschen Journalisten haben wir ja keine Wirtschaftsbeziehungen. Wir brauchen kein Gas von dem, wie von Russland, der verkauft uns kein giftiges Spielzeug und gefälschte Markenartikel, mit denen auch der Ärmste im Land für ein paar Groschen eine Dior-Tasche oder ein Chanel-Parfüm tragen kann, und dann ruhig ist und sein Prekariat nicht allzu deutlich ist. So ein deutscher Journalist ist auch nicht wirklich strategisch wichtig in einem Teil der Welt, in dem die Deutschen schon seit langem gerne mal Waffen und anderes Kriegsspielzeug liefern. Der ist nur ein kleines Licht. Und unwichtig. Und daher ist die Kritik der Biene-Maja-Koalition mit Angela als tapferen Maja und Westerwelle als schläfrig-näselndem Willy und von der Leyen als Fräulein Kassandra mit weisen Tipps zur Bewältigung des Lebens in finanzieller Hochlage, nur wenig vernehmbar, wenn ein konservativer Anden-Paktler aus Hessen unauffällig aber bösartig genau die gleichen Ziele verfolgt, wie die bösen Bösen in Teilen der Welt, die für den Wirtschaftsstandort Deutschland nützlicher sind, als der Chefredakteurssessel in Mainz.
Ach was lob ich mir meine kleine Scheindemokratie in Deutschland. Da wirste wenigstens so versteckt verarscht, dass du es nicht einmal mitbekommst. Und die Schlimmen sind wieder die anderen. Aber auch dafür hatte Herr Koch schon immer eine passende Lösung.
Frohes neues Jahr und schöne neue Welt wünsche ich noch,
Bonifatius
Will mal eben kurz nur so ´n bißchen Werbung machen. Letzten Sonntag war ich nämlich in Köln abends unterwegs und habe mir in einem Club ein paar Leute bei ihrem Auftritt angeschaut.
Der Abend begann mit zwei sehr lustigen Bonnern — und ich dachte nach Gisbert Haefs gäb´s keinen mehr, der aus Bonn kommt und dann noch witzig ist. Weit gefehlt, denn die beiden haben mich schwer amüsiert und musikalisch auch noch überzeugt. Also wenn die mal in der Nähe auftreten sollten, dann geht hin. Zur Vorab-Information.
Danach trat dann Kriss Cologne auf. Witzigerweise treffe ich auf den Sänger im privaten Rahmen so ein-zwei Mal im Jahr. Und immer haben wir uns gut verstanden. Ist kein Grund seine Musik zu mögen, aber trotzdem….. . Wenn man dann mal Google aufschlägt und unter dem Stichwort “Kriss Cologne” schaut (ich merke gerade, dass ich noch ein wenig sprachlich im Vor-Internet-Zeitalter verhaftet bin), habe ich etwa 235.000 Einträge gefunden. Aber um dem geneigten Leser die Suche zu ersparen und die damit verbundene Auswahl, mal eben hier der entscheidenste Link:
Den Abschlu des Abends gestaltete dann Strom und Wasser. Erinnert mich manchmal ein wenig an die alten Sachen von Tom Waits (Swordfishtrombone u.ä.), aber die Texte sind deutsch und nicht so stark genuschelt. Auch ist es eine kleine Band bestehend aus drei Personen. Echt cool, Mann.
Nur falls man abends nichts zu tun hat, und zufällig einer der drei in der Nähe ist. Dann geht mal hin.
Gruß, Bonifatius
